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Franziska.ch > Jakobsweg > Schweiz > 24. März Bern - Schwarzenburg


"So, heute hatte ich definitiv mal die Schnauze voll, hat mich brutal angeschissen. Wollte nur noch nach Hause.
Nach dem Getto am morgen in der Jugi, hab' schon die ganze Nacht nicht gut geschlafen, bin ich mit dem Zug nach Kehrsatz. Da bin ich losgelaufen und war gar nicht so fit. Es hat auch stark gewindet uns das hat mich auch so genervt. Dann hatte ich auch immer das Gefühl, nicht da hin zu gelangen, wo ich wollte. Auf dem Wegweiser war immer was anderes angeschrieben. Kam dann doch nach Rüeggisberg und hab da, weil's so kalt und windig war, in einem Gasthaus mittaggegessen. Hab' etwa eine Stunde Pause gemacht, und das war gut so, nachher mochte ich wieder. Ich hatte mich etwas beruhigt und gemerkt, dass es mich so angeschissen hat, weil ich nur noch das Ziel sehe, weil ich endlich in Fribourg sein will. Ich freue mich eben auf eine kleine Pause. Nach einer Weile konnte ich wieder einfach den Weg geniessen und dann war's wieder ganz o.k.

Ich habe zwar immer gesagt, dass ich einfach wieder umkehre und nach hause gehe, wenn ich keine Lust mehr habe, aber so einfach ist das nicht. Mein saublöder starker Wille will auf keinen Fall aufgeben. Der will was aussergewöhnlich grossartiges leisten. Ob das mein Körper und mein Herz auch will, ist ihm egal. Er will auf keinen Fall aufgeben oder nachgeben. Das wäre ja eine Schande und Blamage, nicht das fertig zu machen, was er sich vorgenommen hat. Zugeben müssen, dass er es nicht geschafft hat. Jetzt rede ich von IHM, als wäre er etwas aussenstehendes, dabei gehört das ja zu mir. Jedenfalls, desswegen ist das Umkehren gar nicht leicht.

Obwohl, auf Frankreich habe ich ja gar keine Lust. Bis Genf möchte ich sicher gehen. Kann ich Frankreich nicht einfach auslassen und mit dem Zug kurz vor die Pyrenäen fahren? Dann hab' ich aber nicht den Pilgerweg gemacht. Das ist komisch. Ich habe ja alle Zeit der Welt, aber ich merke, dass ich gar nicht so lange unterwegs sein will. Eigentlich wäre ich gerne bald wieder zu Hause. Aber da wüsste ich ja auch nicht was machen, habe ich gemerkt. Ein bisschen das Leben geniessen wäre schön, aber für den Lebensunterhalt? Bei dieser Frage bin ich also noch überhaupt nicht weiter. Schule? Keine Lust. Arbeiten? Auch nicht. Zwar eher, aber was? Ich mag nicht einfach etwas machen blos um Geld zu verdienen. Aber ich weiss auch nicht, was ich gerne machen würde. Doch, was ich am liebsten machen würde weiss ich, aber das geht ja nicht. Darauf hin arbeiten? Keine Lust. Mann, das nervt mich, muss aufhören, mir Gedanken darüber zu machen.

Jedenfalls bin ich heute ungefär 6 1/2 Stunden gelaufen und habe hier in Schwarzenburg eine gute Unterkunft bei einem Polizisten gefunden. Bed and Breakfast. Das ist ganz nett. Morgen muss ich ganz früh aufstehen, das ist auch gut, dann bin ich am Mittag in Fribourg, wenn's nicht zu fest regnet. Hab' jetzt Hunger. Punkt. "