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Franziska.ch > Jakobsweg > Schweiz > 27. März Fribourg - Moudon


"Ja, zuerst nochmals zu gestern. Ich habe es ja sehr geschätzt, da zu sein. Ich habe einfach bemerkt, dass es mir dann etwas zuviel wurde. Ich war irgendwie die ganze Zeit etwas ruhig und traurig aufgelegt. Da wurde es mit mit den vielen Leuten und der ständigen Musik etwas zu hektisch. Es hat mich etwas gestört. Vielleicht habe ich mich schon so an die Ruhe gewöhnt? Ich glaube, ich weiss jetzt auch, weshalb ich etwas traurig war. NäHmlich dass ich wieder weg gehen muss. Es kam mir etwas so vor, als ob ich wieder in die andere Welt käme, vor der ich jetzt Ferien mache. Irgendwie hat mich das durcheinander gebracht. Es war weder so wie vorher, weil ich wusste, dass ich wieder gehen würde, aber es war auch nicht so wie jetzt. Es war so ein Zwischending, mit dem ich nicht so einfach fertig wurde. Tja, war trotzdem sehr schön.

Jetzt zu heute. Mannnnn, das hat ja wieder gut angefangen! Hab' den vereinzelten Täfelchen als Wegweiser eh nicht so richtig getraut und natürlich wars genau so, dass sie NICHTS brachten! Hab' mich also vom Gefühl lenken lassen müssen und bin tatsächlich nach einer weile auf den Jakobsweg gekommen. Aber auf den falschen, auf den, der eine grössere Schlaufe macht und dafür habe ich ja keine Zeit. Meine Weg-suche-Kentnisse führten mich dann endlich mal an einen Wanderwegweiser, auf dem sogar die Ortschaft stand, wo ich hin wollte. Super, dachte ich, hab' den Puncho angezogen, weil's durch den nassen Wald ging und bin den Wegweisern nach. Da kam eine unbeschriftete Kreuzung und ich ging auf dem einen Weg, bis es nicht mehr ging und kehrte um. Dem anderen Weg folgte ich nun bis zur Sarine hinunter, wo's dann auch nicht mehr weiterging. Man, hab' ich rot gesehen! 1 1/2 Stunden in der Scheisse rumgelaufen für nichts, weil diese Idioten keinen Weg anschreiben können. Hab' geschrien und meinen Stock an einem Baum zerhauen. Bin wirklich sehr wütend gewesen und wollte es einfach rauslassen. Für wen hätte ich mich auch beherrschen sollen? Dann hab' ich mir hald einen neuen Stock gesucht und bin mit dem Zug aus Fribourg raus. Leider, leider war die einzige Möglichkeit, wieder auf den Weg zu kommen, Romont. Das wäre eigentlich mein heutiges Etappenzil gewesen und dann musste ich mit dem Zug in einer Viertelstunde dahin. Das hat mich auch recht gestresst. Hab' also eine ganze Tagesetappe bescheissen müssen, weil diese Idioten...Hab' übrigens auf dem Rückweg nochmals sehr genau geschaut, keine Möglichkeit!

Schliesslich bin ich von Romont aus über Billens, Hennens und Curtilles nach Moudon gelaufen. Es hatte noch ein wenig Schnee rumliegen, das Wetter war aber ganz o.k., sogar mal eine weile Sonne. Und die Umgebung gefällt mir auch hier, noch etwas flacher als im Bernerland. Gemäss der neuen Etappenplanung werde ich morgen in Lausanne und am Freitagmittag in Genf sein. Das wäre recht gut so, dann habe ich noch Zeit, für Frankreich Unterlagen zu besorgen und so.

Jetzt habe ich den restlichen Nachmittag so viel geschrieben, dass mir fast schwindlig ist. Tina zum Geburtstag. Michelle einen langen Brief und jetzt noch hier.

Komisch, ich bin heute nur 4 1/2 Stunden gelaufen. Das ist für den Wiederanfang vielleicht gar nicht so schlecht. Aber ich bin nicht zufrieden. Schlechtes Gewissen? Jedenfalls bin ich froh, morgen sicher einen 6-stünder zu gehen, hoffe ich. Heute bin ich praktisch schmerzfrei gelaufen. Das war angenehm. Meine Knie haben sich recht gut erholt und die Fesseln sind auch etwas abgeschwollen. Da bin ich sehr froh. Es hat also schon mit dem Gewicht zu tun. Das Mätteli habe ich jetzt noch bei Roli gelassen, dafür einen Pulli, den er mir geschenkt hat, mitgenommen.

So, ich schreibe ja sowieso nur noch, weil ich mich im Rythmus befinde.

Noch schnell was. Auf Frankreich habe ich jetzt doch wieder Lust. Und auch sehr auf den Weg nach Genf. Was mir aber nicht so passt, ist diese genaue Etappenplanung, das: wann wo sein "müssen" hält mich etwas davon ab, den Moment so richtig unbeschwert zu geniessen. Desswegen bin ich auch heute morgen so wütend geworden. Ich möchte, wenn es geht, nicht mehr so weit planen. Desshalb freue ich mich auf Frankreich. Da habe ich wieder Ruhe. Freue mich sehr auf den ganzen noch kommenden Weg."