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Franziska.ch > Jakobsweg > Frankreich > 6. Mai Arzacq Arraziguet - Arthez de Béarn



"Ich muss jetzt noch schreiben, bevor ich dann das Bier merke...
Bei der Bäckerei habe ich also die Skulptur von Pierre dem Zeichner angeschaut. St-Jaques isst Brot. Da hab ich dem Pierre eine Karte geschrieben, der arme, ist in zwei Tagen zu Hause und muss dann gleich wieder arbeiten. Da fällt mir doch grad das Lied ein, dass er über mich gedichtet hat:
Appenzell fait la tour du monde, sur le dos d’un petit cochon.
Ich vermisse ihn ein wenig, er hat mich immer zum lachen gebracht.

Also, heute morgen habe ich den Puncho bereitgemacht, es sah nach Regen aus. Wie ich aber vorhin erfahren habe, hat sich das Gewitter schon in der Nacht erledigt. Also wurde es ein sehr schöner Tag. In voller Länge haben mir die Pyrenäen die Richtung angezeigt. Wunderschön! Gewaltig, ich hoffe, dass ich dann nicht über die verschneiten Spitzen muss!
Ich bin nur etwas 5 1/2 Stunden gelaufen, der Führer muss sich mit seinen 32 Kilometern verrechnet haben. Die viele Zeit nutzte ich, um wiedermal zu waschen. Da die Sonne ja scheint, wird das Zeugs auch schnell trocken. Jetzt trinke ich eben ein Samstag-Abend Bier. Zum Znacht gibt’s Spaghetti mit einer mageren Carbonara Sauce und ein Quärkli, das ich heute morgen noch gefunden habe. Vielleicht rufe ich Papi heute Abend an, hab lust, seine Stimme zu hören.

Der Barkeeper, sein Hund und der Fernseher. Wir sind die einzigen und weil uns Cat Stevens Stimme jetzt noch besingt, hab ich noch ein Bier bestellt.
Cat Stevens muss ein Buddah gewesen sein.
Es gibt nichts mehr zu sagen. Ich bin froh, nicht reden zu müssen, nicht zuhören zu müssen. Der Augenblick scheint nicht zu vergehen, die Zeit steht still, die Ruhe macht sich breit und schluckt alle Hektik die noch versucht etwas ins rollen zu bringen. Wenn man nicht an den Montag denken würde, verbrächte man die glücklichste Zeit. Doch die Arbeit wird über alles gestellt. Aber was gibt es denn zu tun? Ausser zu singen und tanzen und das Leben leben sein zu lassen?
=>Aber wenn niemand mehr arbeiten würde?
Ja, schön, dann würde endlich alles zusammenfallen, alle Menschen wären wieder gleich, Tiere, wir wären endlich befreit von all dem unnützen Zeugs im Überfluss, wovon uns eingeredet wird, dass wir es brauchen. Ich bin für ein ewiges Wochenende und eine Rucksackrevolution, eine Welt ohne Schminke und Benzin. Vielleicht war auch das zweite Bier zuviel oder Cat Stevens Texte zu enthusiastisch.
Darauf trinke ich noch eins."