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Franziska.ch > Jakobsweg > Frankreich > 7. Mai Arthez de Béarn - Aroue



"Also gestern bin ich zurück in die Gite gegangen und da fand ich einen Schweizer. Oh wie schön. Hansueli ist 52, Berner und wohnt im Fürstentum. Von da aus ist er mit dem Velo gekommen. Wir haben bis spät am abend geredet und Erfahrungen ausgetauscht, am Schluss dann auch die Adressen.
Jetzt zu heute. Am morgen war’s ganz neblig und nicht sehr schön. Ich bin friedlich umhergelaufen und hab mir überlegt, ob ich morgen eine grosse oder zwei kleine Etappen machen soll. Da hat der liebe Gott wohl gefunden, er wolle mir diese Entscheidung abnehmen, so hat er Bernadette geschickt. Da denke ich noch, lustiges, altes Auto, als es mich überholt hat, dass es angehalten und eine Frau ausgestiegen ist, habe ich nicht bemerkt. Da steht sie auf einmal voe mir, grüsst, und lädt mich zum Kaffee ein. Es war sowieso schon fast mittag und ich sagte ja. Also stieg ich in ihre Lotterkiste und schwups... wars auch schon ein Cabrio. Eine ganz lässige Frau, hat mir gefallen. 46, sieht noch viel jünger aus und etwas spanisch. Irgendwo ganz alleine auf einem Hügel hat sie ein 200 Jahre altes Steinhaus mitten im Grünen. Paradiesisch! Sie wohnt noch nicht lange da und muss am Haus noch viel bauen. Während des Sommers bewirtet sie ein Café in der Stadt. Da haben wir also in der Sonne gefrühstückt. Und das war ein Ei von einem glücklichen Huhn, mmh, wie das geschmeckt hat! Danach unterhielten wir uns und sie hat mir angeboten, bei ihr zu übernachten und im Sommer bei ihr zu arbeiten. „Ein Wort und ich bleibe“ Ja, das wars wohl, aber die Pyrenäen haben lauter gerufen. Das Angebot mit dem Job würde trotzdem gelten, meinte sie, mal sehen, vielleicht gehe ich auf dem Rückweg mal voebei... Nach 2 1/2 Sunden wollte sie mich wieder auf den Weg bringen, aber weils uns grad gepasst hat, haben wir eine kleine Sonntagsfahrt gemacht. Da war ich also schon in Navarrex, wo ich übernachten wollte. Weils aber noch früh war und meine Beine nach Bewegung schrien, bin ich eben noch bis hierher gelaufen und so hat sich meine Frage über kurze oder lange Etappen erledigt. Auch gut. Diese Begegnung hat mich so aufgestellt, dass ich mit der besten Laune ins Gewitter lief. Und darüber habe ich mich auch sehr gefreut. Schon seit ein paar Tagen hätte ich lust gehabt, wiedermal verregnet zu werden, nach all der Sonne! Und dann kam wirklich ein sehr schönes Gewitter. Schon von weitem hörte ich es donnern und sah die Blitze, aber es wollte noch nicht so richtig. Aber dann endlich firl der Regen in schweren Tropfen, immer mehr, immer heftiger. Und dann duftet es so richtig typisch nach Regen auf dem Asphalt, das habe ich gerne. Schöne Erinnerungen an meine Kindheit kamen, das genoss ich und fühlte mich grossartig.
Natürlich blubberte es nach einer Weile zwischen meinen Zehen, und es wurde etwas kühl, aber was gibt es denn schöneres als ein kleines Gewitter am Abend eines heissen Tages? Und die kleine Gite habe ich auch für mich alleine. Vorhin habe ich in meinen Pilgerpass noch ein paar Seiten reingebastelt, weil er ja schon vollgestempelt ist. Und jemand hat mir sogar noch zwei Joghurt im Kühlschrank gelassen.

Alles in allem 6 1/2 Stunden gelaufen und ein perfekter Tag!"