Wo ist das?   Sitemap
Franziska.ch > Jakobsweg > Frankreich > 13. April Limenesse - St.Jeures





"Heute ist ein super Tag! Aber zuerst nochmals zu gestern. Ich habe mit den beiden einen wunderschönen Abend verbracht. Ich habe mich so richtig wohl gefühlt, bei anderen Leuten das erste Mal. Wir haben gegessen und dann noch recht lange geredet. Es verleidet mir also nicht. Im Gegenteil, ich fand es sehr schön, mich mit ihnen zu unterhalten. Natürlich kann ich mich nicht gut ausdrücken und verstehe auch nicht immer alles, aber wenn die Stimmung gut ist, ist das nicht so schlimm. Und bei ihnen würde ich gerne wieder mal voebeigehen, muss ihnen unbedingt schreiben.

Und warum ist jetzt heute so ein guter Tag? Bin einfach gut gelaunt, fit, und das Wetter war auch gut. Das Aufstehen am morgen fällt mir manchmal sehr schwer, vor allem, wenn es kalt ist. Aber kaum bin ich mal losgelaufen, ist es kein Problem mehr. Immer die ersten zwei Stunden, die vergehen wie nichts. Gegen mittag werde ich meisst ungeduldig, weil ich was essen möchte und dann geht’s wieder. Heute vormittag war ich also in Montfaucon. Hab’ was eingekauft und mir gedacht, ich könnte da mal einen Blick in die Kirche werfen, wenn sie schon offen ist. Das ist hierzulande nämlich eher selten. Da habe ich diese Bildli gesehen, hatte aber kein Münz, um eins zu kaufen. Weil grad eine Messe vorbei war, traf ich also den Pfarrer an und fragte ihn auch um einen Stempel. Das war ein lustiger Mann, etwas nervös. Er schenkte mir die Kärtchen und nahm mich mit zum Pfarramt. Ununterbrochen redete er, sagte, ich könne jederzeit bei ihm eine Unterkunft haben, gab mir sein Visitenkärtchen und zum Abschied schenkte er mir noch ein Zuckerbrötli, das gebe Kraft. Solche Begegnungen finde ich immer sehr amüsant. So unterwegs komme ich oft mit Leuten in Kontakt, auch wenns nur ein kurzer Wortwechsel ist. Aber ich finde es immer interessant und freue mich darüber. Zwischenmenschlichkeit finde ich etwas Grossartiges.

Und so lief ich dann weiter und freute mich. Obwohl immernoch ein recht starker, kalter Wind weht, (heute hat er mich nicht nerven können) ist es zwischendurch recht warm. Es hatte ein paar Wolken und das ergab so dramatische Bilder. Das gefällt mir sehr! Ich laufe auf einer Hochebene mit vielen bewaldeten Hügeln und ein paar kleinen Steinhaufen. Die liebe ich auch so, Steinhäuser! Ich bin verrückt nach denen. Und wenn sie dann noch ein Dörfchen bilden, bin ich hin und weg. Die Gegend hier finde ich einfach zum ansehen super genial. Ich gehe also wie gesagt so meines Weges, tu ja sonst nichts anderes, und da fällt mir eine Melodie ein. So ein Wanderlied, aber den Text weiss ich nicht. Da habe ich einfach meinen eigenen gedichtet und ein paar mal gesungen. Das ging ungefär so:

Der Weg ist ohne Ende,
er führt auch nur bergauf,
die Füsse schmerzen sehr
und was ich lieb ist fern.

Was gibt’s denn schöneres,
als hier zu laufen?
So ganz maus bein allein,
ich nehm’ was kommt.

Ja, ich bin vielleicht nicht die grosse Dichterin, aber irgendwie drückt das genau die Gegensätze aus, die ich empfinde. Es gibt Tage, wie zum Beispiel gestern, da ist einfach alles mühsam. Da verzweifle ich manchmal, da mag ich nicht mehr und setzte mich hin und weine bitterlich. Ohne wenigstens die Aussicht auf etwas zu essen und ein warmes Bett nach einem kalten, langen Tag, da vergeht mir die Laune. Und dann gibt es Tage wie heute, wo alles läuft, alles passt, alles schön und lässig ist. Ja, und solche Tage liebe ich hald. Ich glaube, es spielt alles zusammen, das Wetter, die Unterkunft, die Etappe, die Leute, meine Gedanken, alles.
Und heute bin ich eben aufgestellt. Nicht zuletzt, weil ich morgen wieder ein grosses Ziel, Le Puy, erreichen werde. Morgen bin ich einen Monat gelaufen, ungefär 650-700 Kilometer. Solche Dinge machen mich enorm stolz!
Meisstens ist es auch so, dass genau an Tagen, an denen alles verschissen ist, noch etwas kleines passiert, dass einem wieder Freude und Auftrieb bigt, wie eben gestern Abend.
Und jetzt rufe ich nochmals Mami an."