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Franziska.ch > Jakobsweg > Frankreich > 20. April St.Côme d'Olt - Espalion











"Mitten auf einer alten Steinbrücke sitze ich und geniesse die Sonne und die Sicht auf die pompöse Burg in diesem herzigen Dörfchen.
Weil es in Golinhac keinen Platz mehr gab, haben wir die heutige Etappe nur bis hierher geplant. So ist das ein sehr friedlicher Tag geworden. In Espalion habe ich Geld geholt und mir ein Paar Abend-Schuhe gekauft. In der Kirche habe ich eine Kerze für alle, die ich gern habe angezündet. Am Mittag habe ich mich auf einer schönen Blumenwiese pltziert und Michael einen Brief geschrieben. Später bin ich wieder singend rumgetanzt und schliesslich hier angekommen. Der eine Pierre hat für uns bei einer christlichen Gemeinschaft reserviert und das ist gnz gut. Ich muss also nicht kochen heute und die waschen einem sogar die dreckigen Kleider! Das finde ich sehr nett. Und heute ist sowieso ein genialer Tag. Bin schon mit guter Laune aufgestanden und habe ein Vollkornbrot geholt, denn das habe ich sehr vermisst. Diese Baguetten sind ja schon gut, aber man bekommt eben nicht genug davon.

Ja, und jetzt sitze ich hier an der warmen Sonne und überlege, ob ich in die kalte Kirche zur Messe gehen soll. Wär schon eine gute Idee, aber ganz überzeugt bin ich noch nicht. Vorher habe ich Rolis Brief fertig geschrieben und jetzt würde ich gerne mit ihm reden. Ich glaube, ich gehe etwas telefonieren. 4 1/2 Stunden gelaufen. Und jetzt tönt auch noch die Sirene! Gibt es Krieg oder was? Ich habe ja keine Ahnung, was in der Welt so passiert, politisch und so. Es interessiert mich auch nicht.

Es ist einfach göttlich, was das Leben zu bieten hat! Haben wir nicht zu stark verlernt, unsere Sinne dafür zu nutzen, es auch aufzunehmen? Warum in der Ferne suchen, wenn das Gute so nahe ist?

Diese Reise ist wahnsinnig schön. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich mache mir auch keine Sorgen mehr, was danach wohl ist. Es steht mir ja frei und es kommt sowieso, wie es kommen soll. Da bleibt mir nur, offen für alles zu sein und alles anzunehmen. Daran arbeite ich noch. Aber manchmal bin ich schon recht gut, manchmal aber auch nicht.

Das mit der Kirche hat sich jetzt auch erledigt."