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Franziska.ch > Jakobsweg > Schweiz > 17. März Einsiedeln - Luzern








"Also, es schneite wieder heute und ich ging weiter in Richtung Schwyz. Grad am Anfang verpasste ich wieder eine kleine Markierung, was einen Umweg von mindestens einer halben Stunde zur Folge hatte. Nach Alptal kam die Abzweigung für die Haggenegg, die ich aber auf keinen Fall hätte nehmen könne, ausser durch einen halben Meter Schnee den Berg hinauf zu steigen. Ich folgte also weiter der Hauptstrasse. Irgendwann war auch die zu Ende und es gab nur noch zwei Skilifte.
Hm, wie weiter, dachte ich. Da stand eine Frau auf dem Platz und wartete auf mich. Und ich eigentlich auch auf sie, denn sonnst hätte ich den Sessellift genommen und wäre danach auch nicht mehr weiter gekommen. Sie wollte mit mir der Piste entlang in die Holzegg hinauf, alleine hätte sie sich nicht getraut. Das machten wir dann. Sie war eine ganz herzige Frau. Ununterbrochen redete die fünfzigjährige Jugoslawin von ihren Kindern, ihrer Arbeit und wie sie die Berge und die Luft hier oben liebe. Sie war auch davon überzeugt, dass sie mich dann mal im Fernsehen sehen wird. Bei einer Skihütte machten wir Rast und sie erklärte mir den weiteren Weg. Sie ging dann mit dem Bähnli wieder runter.

Noch schnell zur Wetterlage: Wir waren ja auf ca. 1400m und es schneite heftig, war extrem neblig und saukalt. Um irgendwie nach Schwyz zu gelangen musste ich also mich erstens mal darauf verlassen, dass die Frau mir die richtige Richtung angab (ich hatte näHmlich das Gefühl, wieder auf der gleichen Seite runter zu laufen). Ich folgte also den roten Stäben, die irgendwann mal zu einer Piste gehört haben, und waatete durch mehr als knietiefen Schnee bergabwärts. Ich befürchtete, eine Lawine auszulösen und dann selber darunter zu kommen. Irgenwie fand ich wiedermal einen Wanderwegweiser und ich wusste dann wenigstens die ungefäre Richtung.
Und tatsächlich kam ich nach etwa eineinhalb Stunden zu einem Haus und von da zu einem Weiler und so weiter und irgendwann war ich pflutschnass und eiskalt in Schwyz
Ich trank erstmal einen Tee und überlegte mir, wie es weiter gehen soll. Die Wetterprognose sprach klar gegen das weiterwandern. Kurzentschlossen änderte ich meinen Routenplan und rief meine Grosseltern an. Beim Informationsbüro erfuhr ich, dass ich noch eine Stunde Zeit hatte, bis das Schiff nach Luzern in Brunnen abfuhr. Der Wegweiser sagte aber, dass es bis Brunnen noch 1 1/4 Stunden seien und so rannte ich. Ich schaffte es in 40 Minuten!

Während den zwei Stunden auf dem Schiff fror ich wie eine Hohle und als wäre ich noch nicht genug nass gewesen, schüttete ich mir noch den Tee auf die Hose. Das war schön warm, am Anfang, und ich musste lachen. Ich war ganz müde und traurig, ich konnte nicht mehr, hatte keine Lust mehr. Ein bisschen Regen und Schnee tut ja nicht weh, aber auf die Dauer wird es doch mühsam und ich hatte mir die ganze Sache doch etwas anders vorgestellt.
Anstatt über Flüeli und Thun gehe ich jetzt hald über Burgdorf nach Fribourg. Da muss ich auch über weniger Berge.

Jedenfalls habe ich dann in Luzern den Bus nach Emmenbrücke und da den Bus zur Oberemmenweid genommen, bis ich dann endlich hier ankam. Mein Grossvater hat grad gefragt: "Gehst du nach Santiago?" Der hat das grad gemerkt. Sie haben sich sehr lieb um mich gekümmert, mir alles abgenommen, mich unter die Dusche geschickt, mir Z'nacht gemacht und immer wieder den Kopf geschüttelt und gesagt: "Du bist noch eine!"

Heute bin ich doch wieder 6 1/2 Stunden gelaufen. Die Füsse haben sich den Schuhen angepasst, die Knie halte ich aus und der Rucksack scheint immer leichter zu werden. Ach ja, meine Mami habe ich noch angerufen."



Ich hatte damals noch die Idee, mir ein paar Ski zu mieten, aber es gab da nicht mal eine Vermietung. Würde der Jakobsweg per Ski eigentlich auch zählen?